Arbeitsbedingungen

Funktion:
Die Funktion eines Konferenzdolmetschers besteht ausschließlich aus dem Simultan-, Konsekutiv- oder Flüsterdolmetschen auf einer Tagung.

Verpflichtungen:
Der Dolmetscher verpflichtet sich zur unbedingten Diskretion, übernimmt die moralische Verantwortung für die Seriosität seiner Arbeit und darf keine Vorbehalte tolerieren, die die Ausführung seiner Arbeit auf irgendeine Weise einschränken.

Der Dolmetscher führt den angenommenen Auftrag vollständig aus, mit Ausnahme von Fällen höherer Gewalt. In einer solchen Situation hat er so schnell wie möglich dafür zu sorgen, dass ein Kollege mit der erforderlichen Sprachkombination ihn angemessen ersetzen kann und dass dieser vom Team-Koordinator und vom Arbeitgeber akzeptiert wird.

Arbeitszeit:
Ein Arbeitstag besteht aus zwei Abschnitten von maximal je vier Stunden und einer Pause von mindestens anderthalb Stunden, insgesamt jedoch maximal 7 Stunden ab Beginn der Arbeitsaufnahme.
In Ausnahmefällen kann der Dolmetscher noch eine Stunde (nur eine) über dieses Limit hinausgehen, wobei über das entsprechende Honorar zu verhandeln ist.
Wenn die voraussichtliche Arbeitszeit über 8 Stunden hinausgeht, sollte ein zweites Team vorgesehen sein.

Honorar:
Jeder Dolmetscher bestimmt sein eigenes Honorar.

Annullierung:
Zwei bis sieben Tage vor Beginn der Veranstaltung: Der Dolmetscher hat ein Anrecht auf 50% des vereinbarten Honorars;
Bis zu 48 Stunden vor Beginn der Veranstaltung: Der Dolmetscher hat ein Anrecht auf das volle Honorar, das vereinbart wurde.

Freiwillige Dienste:
Der Dolmetscher unterliegt keinen Einschränkungen in Bezug auf das Angebot seiner Dienste, was ihn jedoch nicht von der Einhaltung des Ehrenkodex, der berufsständischen Regeln und diesen Arbeitsbedingungen befreit.

Zusammensetzung des Teams:
Das Konferenzdolmetschen ist eine Teamarbeit. Daher sollte der Dolmetscher, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht allein arbeiten.
Jede Kabine für das Simultandolmetschen sollte immer mit mindestens 2 Dolmetschern besetzt sein, es sei denn, die Gesamtzeit fur die Erbringung der Leistung liegt unter einer Stunde.
In den Fällen, in denen eine Kabine in zwei Richtungen (zwei Sprachen) funktioniert und der Auftrag zwei oder mehr Tage in Anspruch nimmt, empfiehlt sich eine Besetzung mit 3 Dolmetschern.

Teamchef:
Bei jedem Auftrag ist ein Teamchef zu benennen.
In den Fällen, in denen die Funktion des Teamchefs mit der Arbeit des Dolmetschers kollidiert (z.B. bei Tagungen mit vielen Sprachen), ist jemand zu engagieren (vorzugsweise ein Dolmetscher), der ausschließlich die Funktion eines Teamchefs ausübt.

Dokumentation:
Dem Dolmetscher müssen die erforderlichen Mindestbedingungen zur Verfügung stehen, damit die Qualität seiner Arbeit gesichert ist. So sind ihm sämtliche Dokumente, die er für die Erfüllung seines Auftrags benötigt (Programm, unterstützende Dokumente, Vorträge, mögliche Glossarien usw.), mit dem erforderlichen Vorlauf (mindestens 8 Tage im Voraus) auszuhändigen.

Einrichtungen und Anlage:
Die Einrichtungen und die Anlage sollten perfekt funktionieren. Die Kabinen sollten so groß sein, dass sich zwei Personen bequem dort aufhalten können, sie sollten vorschriftsmäßig isoliert sein und so gelegen, dass der ganze Raum überblickt werden kann und dass auch Sicht auf den Vortragenden und den eventuell eingesetzten Bildschirm möglich ist.

Für das Flüster- oder Konsekutivdolmetschen ist es wichtig, dass die entsprechenden akustischen Voraussetzungen gegeben sind.

     Siehe  NORMEN ISO (NP ISO 2603 & 4043) FÜR DOLMETSCHERKABINEN

Abgelesene Vorträge:
Der Dolmetscher kann das Dolmetschen von abgelesenen Texten ablehnen, wenn ihm diese nicht im Voraus ausgehändigt wurden.

Filme und Videos:
Wenn die Projektion eines Films oder eines Videos während der Tagung geplant ist, wird der Ton nur gedolmetscht, wenn folgende Voraussetzungen dafür bestehen:
- der Ton wird direkt auf die Kopfhörer der Dolmetscher übertragen;
-die Geschwindigkeit des Kommentars/Dialogs ist annehmbar;
-das Manuskript wurde im Voraus ausgehändigt oder es gab bereits eine Ansehung.

Aufzeichnung:

Die Arbeit des Dolmetschers ist zur direkten und sofortigen Anhörung bestimmt und darf nicht ohne ausdrückliche Zustimmung aufgezeichnet/mitgeschrieben werden. Hierbei handelt es sich um die Wahrung der Urheberrechte des Dolmetschers.


Aufträge im Außendienst:
Bei einem Auftrag in einem Ort außerhalb der Berufsansässigkeit des Dolmetschers (> 50 km), hat der Dolmetscher ein Anrecht auf:
- Erstattung der Transportkosten, wobei das Transportmittel mit dem Arbeitgeber im Voraus abgesprochen werden sollte;
- Unterbringung in einem Einzelzimmer in einem Drei-Sterne-Hotel, möglichst an dem Ort, wo auch die Tagung stattfindet;
- Mahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen);
- Tagegeld und einen Ausgleich für jeden Tag, an dem der Dolmetscher nicht arbeitet, aber eben auch an keinem anderen Ort arbeiten kann („jours chomés“); hierüber ist mit dem Arbeitgeber zu verhandeln.